Stellen Sie sich vor, Sie kriegen jeden Monat ca. 1.500€, mit denen Sie machen können, was Sie wollen – egal, ob Sie arbeiten oder nicht. Was würden Sie tun? Den Job an den Nagel hängen und den ganzen Tag faulenzen? Ihr eigenes Startup gründen? Weiterarbeiten, für das zusätzliche Gehalt – oder aus Gewohnheit? Diese Fragen müssen wir uns vielleicht in Zukunft tatsächlich stellen, denn das bedingungslose Grundeinkommen ist eines der heißdiskustiertesten Themen in Gesellschaft und Politik. Wie die Deutschen zur potentiellen Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens – oder kurz: BGE – stehen, ist Teil unserer repräsentativen Studie „Kompass Neue Arbeitswelt“. Regelmäßig beleuchten wir im Rahmen dieser umfassenden Studie Fragestellungen, mit denen sich die Berufstätigen im deutschsprachigen Raum beschäftigen. Während Experten wie Philosoph Richard David Precht und dm-Gründer Götz W. Werner eine klar positive Sicht auf das BGE haben, zeigt sich die deutsche Bevölkerung gespalten: 32 Prozent der Befragten würden eine Einführung befürworten, 35 Prozent sprechen sich allerdings grundsätzlich gegen ein solches Grundeinkommen aus.

Vordenker Richard David Precht und Götz Werner verfechten das bedingungslose Grundeinkommen
Für die Pioniere der hiesigen Arbeitswelt erscheint das BGE eindeutig in positivem Licht: Auf der jüngsten XING New Work Experience, dem größten Event zum Thema Neues Arbeiten im deutsch-sprachigen Raum, äußerten sich die Vortragenden und Diskutanten ausschließlich bejahend zum BGE: Wie auch in einem XING Klartext Interview sagte der wohl derzeit bekannteste deutsche Philosoph Richard David Precht: „[Ein] Schritt wäre es, den Menschen, die in Zukunft keiner Erwerbsarbeit nachgehen können, ausreichend Geld zu geben – und ein Hartz-4-Satz reicht nicht aus. Deswegen spreche ich mich für ein bedingungsloses Grundeinkommen aus, in einer Höhe von mindestens 1500 Euro im Monat.“ Der Gründer der Drogeriemarktkette „dm“ Götz W. Werner spricht auf der NWX davon, dass „wir Arbeit anders denken müssen“: Ein BGE würde „richtig anstrengend“, da „wir [dann] buchstäblich keine Ausreden mehr haben“. Diejenigen, die behaupten, es lasse sich nicht finanzieren, können Werners Meinung nach „nicht rechnen“. Auch einer der Pioniere in Bezug auf KI/AI, Jürgen Schmidhuber, sowie Historiker und Autor Rutger Bregman beschreiben die Notwendigkeit des Bedingungslosen Grundeinkommens.

Rund ein Drittel der Deutschen spricht sich für das bedingungslose Grundeinkommen aus, ein Drittel dagegen
Schön und gut, wenn sich die „Profis“ einig sind, aber die Meinung, die so einhellig von Experten vertreten wird, spiegelt die deutsche Bevölkerung nicht wider: 32 Prozent der Befragten befürworten zwar das BGE, 35 Prozent sprechen sich jedoch auch grundsätzlich dagegen aus. 33 Prozent befürworten ein BGE dann, wenn zukünftig durch die Automatisierung mehr Jobs wegfallen als entstehen sollten. Dabei bestätigt sich das Sprichwort: „Die Alten sind zäh – geben tut ihnen weh“: Statistisch gesehen steigt mit zunehmendem Alter die Ablehnung des BGEs an. Auch lehnen Frauen das BGE tendenziell eher ab als Männer. Anders, als manch einer vielleicht erwarten dürfte, sind die Befragten aus den höchsten Hierarchiegruppen am stärksten für das BGE: Beinahe die Hälfte (45 Prozent) aller Unternehmensleitenden und Angestellten im höheren Management befürwortet das BGE grundsätzlich.

94 Prozent denken, ein BGE hätte starke Auswirkungen auf die Gesellschaft
Egal ob dafür oder dagegen – in einem sind sich die Befragten einig: ein BGE käme einem gesellschaftlichen Paradigmenwechsel gleich. Nur sechs Prozent aller befragten Teilnehmer schätzen, dass sich mit einer Einführung des BGEs nicht viel ändern würde. Hoffnungen gibt es dabei genauso viele wie Bedenken: 37 Prozent der Befragten befürchten einen übermäßigen Anstieg der Staatskosten. 30 Prozent schätzen, dass auf Seiten der Arbeitenden Aggressivität und Ärger entstünden. Jeder Fünfte vermutet sogar, dass es zu einem gesellschaftlichen Zerfall käme. Mehr als ein Drittel denkt wiederum, dass das BGE jedem die Chance ermögliche, ein „menschenwürdiges Leben“ zu führen. Jeder Fünfte sagt, dass „endlich“ durch ein BGE einer sinnvollen gesellschaftlichen Tätigkeit nachgegangen werden könne und dass jedem die Möglichkeit auf Selbstverwirklichung gegeben wäre.

Die Marketagent-Umfrage „Kompass Neue Arbeitswelt 2018“ wurde im Auftrag von XING im Januar 2018 in Deutschland mit 1.015 Erwerbstätigen durchgeführt.