Die Quartely Student Night hat nun seine dritte Auflage hinter sich – unser Werkstudent Kai berichtet von einem spannenden Abend!

Wie bin ich spontan? Was ist Präsenz und wie kommuniziere ich sie? Und was hat das eigentlich mit meiner Karriere zu tun? Mindestens eine dieser Fragen stellte sich jede/r der gut 15 WerkstudentInnen und PraktikantInnen der XING Young Professionals GmbH, die am Abend des 22. Mai von Martha Katharina Meyer zur mittlerweile dritten Student Night begrüßt wurden.

Die E-Mail-Einladung verhieß einen Abend, der möglicherweise die etwas weniger extrovertierten Young Professionals abgeschreckt hatte: „Spontaneity & communication skills training led by guys from ‚Steife Brise Impro Theater'“. Spontanität und Kommunikationsfähigkeit – zwei Softskills, deren Forderung am Ende einer Stellenausschreibung nicht selten ist. Ich selbst begegne diesen in der Regel mit einer 2-Sekunden-Selbstanalyse und dem anschließenden Fazit: „Ich bin kommunikativ… Ich rede mit Menschen…“. Doch bin ich auch spontan?

Spontan wusste ich auf diese Frage keine Antwort und so setzte ich mich, willens, es herauszufinden, in das weiße Rechteck aus Sitzelementen, das unsere Bühne sein würde und beging den Fehler, es mir bequem zu machen.

Wiebke Wimmer und Knut Kalbertodt sind hauptberufliche Improvisationskünstler und führen regelmäßig im Imperial Theater auf der Hamburger Reeperbahn unter dem Label „Steife Brise“ längere Narrativen auf – in der Regel Krimis – deren Drehbücher während der Darstellung und im Zusammenspiel mit dem Publikum entstehen. Eine Situation, die den durchschnittlich spontanen Menschen zur Salzsäule erstarren ließe.

Zu Gast bei uns im „Spielbudenplatz“ verschwendeten die beiden kaum eine Minute mit langen Vorstellungsrunden, bevor sie uns auf die Beine baten und mit uns einige Warmwerde-Übungen praktizierten, die dem Bereich „Sport“ gefährlich nahe kamen: So mussten etwa immer zwei Akteure mit ihren Armen ein „Dach“ über je einen dritten bilden. Eine/r blieb übrig, die/der nun je nach Befehl ein Durchmischen der Dächer, der Bewohner oder allen Teilnehmern anordnen konnte.

Die Spiele erforderten stets ein zügiges und wortloses Zusammenfinden zu Grüppchen und eine nonverbale Verständigung auf bestimmte Rollen. Meiner eigenen Observation nach zeigte sich hier ein eher agierender und ein eher reagierender Spielertyp. Der reagierende ordnet sich lieber unter und sucht nach bereits gebildeten Dächern. Der agierende konnte das Pech haben, dass niemand seiner Vorgabe folgte und er so beispielsweise schlussendlich als halbes Dach allein dastand. Ein Spiel, welches, sofern man zu derlei Interpretationen neigt, viel über den Charakter Einzelner und das Verhalten von Gruppen verraten kann. Oder aber einfach nur das Eis brechen sollte…

Letzteres war jedenfalls gelungen und die zwei gleichgroßen Gruppen, die sich am Schluss des letzten Spiels gebildet hatten („Wir sagen eine Zahl und ihr bildet Mengen der entsprechenden Größe ohne euch abzusprechen!“) trennten sich, bevor es nun ans sprichwörtliche Eingemachte gehen sollte.

„Spontanität und Schlagfertigkeit, sind nicht miteinander zu verwechseln“, begann Knut, dessen Gruppe ich zugehörte (weshalb ich über Wiebkes Workshop leider nicht berichten kann). „Schlagfertig zu sein, heißt, den passenden Konter parat zu haben – Spontanität jedoch meint, etwas Gegebenes zu empfangen, sich darauf einzulassen und es weiterzuentwickeln.“ Deshalb sollte es an diesem Abend neben der Spontanität vor allem um „Storytelling“ gehen.

Um aber eine Story zu erzählen, muss man zunächst erstmal die Aufmerksamkeit haben. Und diese bekommt man durch: Präsenz. Dementsprechend folgten einige Übungen, die insbesondere Augenkontakt und Verbindungsaufbau fokussierten: Ein Zombie nähert sich einer der im Kreis um ihn stehenden Personen und kann nur auf jemand anderes losgelassen werden, bevor er sein Ziel erreicht, wenn der Angepeilte durch Blickkontakt einen von ihnen dazu bringen kann, den Namen eines neuen Opfers zu rufen. Besonders schnelles Schalten war gefragt, als es darum ging, das „Signal“ so schnell es geht durch Blickkontakt und Zuruf herumzureichen, während beides gleichzeitig an verschiedene Personen zu richten ist. Wie sich herausstellt, ist eine erstmal eingeprägte Name-Gesicht-Assoziation nicht so leicht aus spontanen Reaktionen zu bannen…

Als wir nun wussten, wie man das Wort ergreift und weitergibt, galt es als Nächstes herauszufinden, was man damit anstellt, wenn man es hat. Unsere Spontanität sollte auf die Probe gestellt werden, indem wir uns möglichst fließend und komplett unvorbereitet den verschiedensten Blödsinn, ich meine, Storys ausdachten – und zwar mit steigender Komplexität. Um hier nur eine Auswahl zu nennen:

Erste Phase: Je ein Wort.

Knut interviewte nacheinander zwei Spezialisten: Einen Elefantenexperten und einen Marsbesucher. Jeder Spezialist bestand allerdings aus drei Personen, die ihre Antworten spontan zusammensetzten. So erfuhren wir, dass afrikanische Elefanten über das Wedeln ihrer Ohren miteinander kommunizieren und dass der Astronaut aufgrund eines Rechtschreibfehlers nie auf dem Mars war – dafür aber auf dem Mond.

Zweite Phase: Je ein Satz.

Zwei Filmemacher treffen sich in einem Café. Der erste arbeitet an seiner neuesten Idee für ein Drehbuch, die er dem zweiten pitchen möchte. Der hat sofort seine ganz eigene Vorstellung davon, wie die Geschichte weitergeht und unterbricht den ersten konstant nach jedem Satz. Der findet die Vorschläge so toll, dass er sie jedes mal miteinbaut und die Idee weiterspinnt. So entstanden etwa die Komödie der Waldelfenpartie und eine FSK16-Romanze mit Dreiecksbeziehung und Geschlechtsumwandlung.

Dritte Phase: Je ein Tagebucheintrag.

Die Königsdisziplin, bei der ich mich selbst zum Affen machen durfte, bestand im lauten „Vorlesen“ aus dem eigenen Tagebuch, Eintrag für Eintrag. Wurde ein Eintrag zu langweilig, stagnierte der Spannungsbogen oder wollte sie einen einfach nur aus dem Konzept bringen, durfte die Gruppe durch Rufen von „Weiter“ eine Seite umblättern und sofort musste der nächste Eintrag „vorgelesen“ werden. Zusätzlich sollte es dabei um „eine Lüge“ gehen. An dem letzten Teil bin ich gehörig gescheitert, jedoch hatte mein Tagebuch zumindest einen gewissen Plot. Meine Spontanität reichte jedoch nicht aus, um nicht unfreiwillig ein wenig ins autobiografische abzudriften, weshalb ich den Inhalt an dieser Stelle lieber schuldig bleibe.

Wir alle sind an diesem Abend ein wenig spontaner geworden und haben unsere Komfortzone diverse Male verlassen müssen. Der Spaß kam dennoch nicht zu kurz und es wurde reichlich gelacht. Was das alles jedoch mit der Karriere zu tun hatte – da war ich mir immer noch nicht so ganz sicher…

Die Fähigkeit, sich in einem Raum als Worthabender zu identifizieren, Menschen eindeutig zu adressieren, Gegebene Impulse, Ideen, Konzepte zu bejahen, sie entgegenzunehmen und weiterzuentwickeln – sie kann sich sicher auch im Berufsleben als hilfreich erweisen. Die Fähigkeit, unvorbereitet willkürlichen Blödsinn fabrizieren zu können und ihn in selbstbewusster Manier zu präsentieren – ihr verdanke ich immerhin zu einem gewissen Grad mein mündliches Abi. Eines aber nehmen wir mit Sicherheit von diesem Training mit: Etwas mehr Selbstbewusstsein in uns selbst und unser Vermögen, mit unvorhergesehenen Situationen umzugehen. Und mit diesem Selbstbewusstsein gingen wir in den gemütlichen Teil des Abends über: Das, so darf man mittlerweile sagen, traditionelle Abendbrot mit „special guest“.

Heute stieß Jens Pape hinzu – seines Zeichens CTO bei XING und, wie er in einer kleinen Vorstellung preisgab, leidenschaftlicher Tüftler von klein auf.

Jens beschrieb, in für die XING Board Member gewohnt ungewohnt nahbarer Tonalität, wie er seinen ersten Computer geschenkt bekam und ihn gleich darauf auseinanderschraubte, um zu schauen, was in ihm vorging. Er zeichnete einen kurzen Abriss seines Werdegangs, von AOL über Hansenet, und berichtete, was ihn nach dem Ingenieurstudium in den Online-Bereich verschlug. Im Q&A-Rahmen sprachen wir mit ihm über Start-Ups, persönliche Interessen und darüber, wie man sich in der Tech-Branche behauptet. Außerdem verriet Jens, welche IT-Area er im Auge zu behalten empfiehlt (hint: IoT). Als er seine derzeitigen Aufgaben und Tätigkeiten illustrierte und der Begriff „kommunizieren“ auch hier immer wieder auftauchte, dachte ich so für mich selbst, dass Jens tatsächlich den Eindruck machte, als habe auch er das ein oder andere Präsenz-/Spontanitätstraining genossen.

Wie auch schon bei den bisherigen Student Nights machte meine Erwartungshaltung den gewohnten Parkour von anfänglicher Skepsis zu dezenter Anspannung, über ‚irgendwie spaßig‘ hin zu ‚doch froh, dass ich dabei war‘ und wenn ich auch den ein oder anderen Witz über die Sinnhaftigkeit der Veranstaltung gemacht habe, so gefällt mir dennoch sehr, dass die Inhalte der Trainings einen abstrakteren, praktischeren Einschlag zu nehmen scheinen, bei denen auch der Entertainment-Faktor zunehmend in den Vordergrund rückt. Schlussendlich sehen unsere Karrierepläne sehr unterschiedlich aus und kaum ein berufsspezifisches Seminar kann für jeden gleichermaßen vor Nutzbarkeit triefen – was die Student Night immer wieder zu einem teilnahmewürdigen Event macht, ist das Wiedersehen mit den anderen Studenten, das Networken, das Anstoßen und das Klönen.