Vor einigen Tagen traf ich im Familienministerium mit Bundesfamilienministerin Kristina Schröder in Berlin für ein gemeinsames Interview mit dem Handelsblatt zusammen. Thema des Pressegesprächs: Wie kann man Frauen  – auch mit Unterstützung von professionellen Netzwerken – nach einer familienbedingten Pause dabei helfen, wieder ins Berufsleben einzusteigen.  Dabei erlebten die Anwesenden gleich live wie die Ministerin selbst Familie und Beruf vereinbart.

Bundesfamilienministerin Kristina Schröder im Gespräch mit Stefan Groß-Selbeck

Aber zunächst zum Hintergrund: In Deutschland arbeiten Frauen deutlich weniger als in anderen Ländern Europas. Sie sind seltener in Führungspositionen und haben Gehälter, die oft niedriger als die vergleichbarer männlicher Kollegen sind. Die Arbeitsmarktforscherin Jutta Allmendinger beziffert die sogenannte „stille Reserve“ auf 2,4 Millionen. Zu ihr zählen Frauen, die zwar erwerbsfähig aber nicht erwerbstätig sind und die nicht bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldet sind. Lediglich 13 Prozent aller Mütter, die eine Kinderpause von drei oder mehr Jahren einlegen, schaffen überhaupt den Wiedereinstieg in den Beruf.

Für diejenigen Frauen, die in den Beruf zurückkehren möchten, scheint  der Weg zurück ins Arbeitsleben über Kontakte zu führen. Das bestätigt auch unsere aktuelle Forsa-Umfrage: Der zufolge ist jeder zweiten Frau, die nach einer familienbedingten Pause in ein neues Arbeitsumfeld zurückkehrte, der Wiedereinstieg über ihr persönliches Netzwerk gelungen. Nach wie vor unterschätzen Frauen jedoch, wie wichtig berufliches Vernetzen für den Job ist. Zudem lassen sie das Potential, welches im Internet schlummert, unberücksichtigt:  Lediglich 10% der befragten Frauen sind Mitglied in einem professionellen Netzwerk im Internet.

Hier setzt die Kooperation zwischen dem BMFSFJ und XING an:  So wird XING-Trainerin Constanze Wolff Netzwerkworkshops in fünf deutschen Großstädten anbieten. Hier sollen die Teilnehmerinnen lernen, sich ein tragfähiges berufliches Netzwerk aufzubauen, das ihnen die Rückkehr in den Job erleichtert. Weitere Informationen dazu finden Sie in den kommenden Wochen hier im Blog. Darüber hinaus wird es mit dem Start der Trainings eine eigene XING-Gruppe geben, in der sich die Teilnehmerinnen vernetzen und austauschen können.

Unser Gespräch fand im Ministerbüro in Berlin statt. Neben den Journalisten und Mitarbeitern war noch eine sehr junge Dame anwesend: Lotte,  die wenige Monate alte Tochter von Kristina Schröder. Und weil sich Lotte schon nach kurzer Zeit auf ihrer Decke langweilte, nahm Kristina Schröder sie ganz selbstverständlich auf den Arm und hielt sie mit Spielzeugen souverän bei Laune. Wir führten parallel weiter das Interview. Für mich direkt vor Ort  das beste Beispiel, dass wir mit unserer Initiative richtig liegen.

Das Gespräch in voller Länge ist heute im Handelsblatt erschienen.


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Kommentare
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Nadja on 29.03.2012 at 14:00h CET

Solange das Betreuungsangebot nicht ausgebaut wird ist jedes Netzwerk sinnlos. Der Mutter wird verwehrt Vollzeit zu arbeiten oder immense Kosten in die Kinderbetreuung zu stecken. Da könnte das Frollein Schröder mal ansetzen. Netzwerken hilft da wenig!

Nadja on 29.03.2012 at 14:09h CET

Wenn Frau Schröder sich mal um das Betreuungsangebot anstatt das Netzwerk kümmern würde…vielmehr Frauen würden arbeiten gehen KÖNNEN. Aktuell ist es für Mütter unmöglich in Vollzeit zu arbeiten wenn keiner zum Abholen des Kindes da ist. Alternativ kann man sein Gehalt in private Kitas ballern. Da ist das Netzwerk erstmal schnuppe.

Ursula Schön-Herrmann on 29.03.2012 at 15:19h CET

Dieser Beitrag ist für normalsterbliche Mütter mit Kleinkindern ein Schlag ins Gesicht. Ich spreche der wohlsituierten Frau Schröder jedwede Kompetenz zu diesen Fragen ab. Im Realalttag läuft es nämlich ganz und gar nicht so, dass Frauen nicht wollen, sondern es sind vielmehr gesellschaftliche Realitäten, an denen sie scheitern. Dabei spielt das vorhandene oder nicht vorhandene Netzwerke keine tragende Rolle.

Es fehlen ausreichend Kinderbetreuungsplätze, die erreichbar und bezahlbar sind und es fehlen Arbeitszeitmodelle, die zu den Realitäten passen. Ganz und gar fehlen in der Betrachtung die Väter. Wie würde XING als Arbeitgeber mit lauter kleinen Lottes in Wippen umgehen?

Der Blogbeitrag ist schlecht recherchiert und in der üblichen Schröderschen Oberflächentechnik abgeliefert.

Conz v. Gemmingen on 29.03.2012 at 16:13h CET

Es gehört schon eine gehörige Portion Chuzpe dazu, so einen Beitrag hier in den Blog zu stellen.

Bianca Rauch on 29.03.2012 at 16:21h CET

Ich kann nur an alle Frauen und Männer im erwerbsfähigen Alter zu appellieren, dass nicht so stehen zu lassen!
Denn selbst wenn ein Netzwerk vorhanden ist, wird es immer mehr beschnitten, durch Arbeitszeitverlängerung der Großeltern-Generation, die Sparmaßnahmen der kommunalen Haushalte, sowohl was die betreuungsmöglichkeiten als auch deren Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrmitteln anbelangt und die eher zunehmenden Wochenarbeitszeiten bei gleichbleibenden Gehältern. Nettes EI-gentor gelegt!

Hüppi on 29.03.2012 at 16:25h CET

Eines vorweg…ich bin keine Mutter…ABER, dieser Beitrag stellt Mütter als unfähig und teilweise als unwillig dar.
Was soll das?
So löblich es ist, dass Xing – im eigenen Interesse – mehr für die Vernetzung von Müttern tun möchte, dass ist doch nicht die Lösung des Problems.
In unserer Gesellschaft fehlen Kitaplätze mit vernüftigen – der Berufswelt angepassten – Öffnungszeiten.
UND es fehlen flexiible Chefs und Firmen.
Man sollte sich mal wirklich anschauen, wie andere Länder das machen, wo der Frauenanteil im Beruf höher liegt. Dort ist es keine “Schande” mal eine Lücke im Lebenslauf zu haben, dort nehmen viel mehr Männer eine Auszeit für die Kinder, etc.

Und was in dem Bericht überhaupt nicht betrachtet wird, sind Mütter die gerne ein paar Jahre zu Hause bleiben wollen, um ihre Kinder zu erziehen. In unserer Gesellschaft werden Frauen dann agnz schnell abgestempelt als “Mütterchen” und wenn nach einigen Jahren dann ein Job gesucht wird, hat man fast keine Chance.
Da kann Xing auch nicht weiterhelfen. Oder stellt Ihr solche Frauen ein?

Susanna Goldschmidt on 29.03.2012 at 17:38h CET

Ich bin ein bisschen sprachlos, dass zur Arbeitssituation von Müttern die Familienministerin befragt wird, hatte das Arbeitsministerium keine Zeit oder ist der Mutterschutz verlängert worden? Also die Zeiten in denen die Rechte, Pflichten und wirtschaftliche Stellung der Frauen im Familienrecht abgehandelt wurden und nicht im Grundgesetz waren doch vorbei – oder?

Gerlinde Weidner on 29.03.2012 at 17:59h CET

Glückwunsch zu diesem tollen Beitrag!
/Ironie aus
Schauen wir doch mal ins schöne Frankreich, wo Frau trotz 3 Kinder Vollzeit berufstätig ist. Liegt das am besseren Netzwerk? NEIN, die Kinder werden dort zu vernünftigen Zeiten betreut. Die Gesellschaft prangert keine Vollzeitarbeitende Mutter als Rabenmutter an, es ist einfach akzeptiert.
Spaßeshalber habe ich die Kindergarten-Öffnungszeiten hier am Ort recherchiert.
Mo-Do von 07:00 – 16:00 Uhr
Fr. von 07:00 – 14:00 Uhr
Richtig spaßig wird es wenn die Kinder in die Grundschule kommen, da ist dann jeden Tag um 13 Uhr Schluss.
So lange sich die Betreuungssituation in Deutschland nicht ENDLICH ändert, wird es nur den wenigsten Müttern möglich sein Vollzeit zu arbeiten UND das Kind rechtzeitig zu Bringen und wieder Abzuholen.
Da hilft auch das Beste berufliche Netzwerks nicht.

Vielleicht sollte man Frau Schröder mal auf diese Problematik hin ansprechen!

Jutta Cram on 29.03.2012 at 19:53h CET

Wieso werden eigentlich immer nur die Frauen in die Pflicht genommen, wenn es um Kinderbetreuung geht? Haben die Kinder nicht auch Väter? Und sind die nicht in der Lage, sich wenigstens zeitweise um ihre Kinder zu kümmern? Und nun sage bitte keiner, dass die ja wegen ihres Berufs keine Zeit hätten. Genau auf diesen Standpunkt können sich Frauen nämlich auch stellen, wenn sie denn wollten!

Ruth Degen on 29.03.2012 at 20:43h CET

Ich hätte gerne erstmal einen Platz in der OGS, bevor wir weiterreden. Bei uns gibt es gar nicht erst genug Plätze. Wir sind beide berufstätig und wissen noch nicht, was wir im Sommer machen sollen, wenn unsere Tochter in die Schule kommt. Wahrscheinlich ist es gewünscht, von Hartz IV zu leben.

Stephanie on 29.03.2012 at 21:14h CET

Mir sagt eigentlich die Überschrift genug.

Es ist eben “zwischen” Medium und Ministerin. Von Verbindung beider sehe ich auch dort nicht viel, allerdings gibt auch der Artikel dazu nichts her.

Definitiv ist die Bundesministerin nicht der Querschnitt der arbeitssuchenden Mütter und hat ihren Posten über die kurze Pause nicht retten müssen – sie hatte ihn sicher. Ebenso wie Herr Gabriel, wenn er sich denn überhaupt für die vaterzeit entscheiden sollte. Das Ziel, die betroffenen Mütter anzusprechen, dürfte m.E. letztlich wieder einmal verfehlt sein.

Schade auch, daß solche Artikel dann im Handelsblatt veröffentlicht werden, denn wir dürfen annehmen, daß die wenigsten Mütter das Handelsblatt lesen. Dafür kann nun der Autor nichts, das gebe ich zu. Dann aber auf der Plattform die Diskussion über den Artikel zu unterbinden, ist sicher nicht förderlich.

Was also möchte uns der Artikel eigentlich sagen?

Wie kommen zB die Netzwerkseminare an die Mütter, denen sie Hilfestellungen geben wollen?

Julika on 03.04.2012 at 09:26h CET

Je unfelexible die deutschen Arbeitgeber sind, desdo wichtiger ist ein gutes Netzwerk für einen Wiedereinstieg. Nur so kann man einen Arbeitgeber finden, bei dem Familie und Beruf zusammenpasst.
Der Arbeitgeber kann einem viel erzählen – zukünftige Kollegen sind da viel hilfreicher.

Zur Betreuungssituation möchte ich nur kurz hizufügen, dass ich meine Kinder nur weil das Betruungsangebot und der Preis stimmt 8 Stunden / Tag abgeben würde. Die Hüde liegt für mich nicht in der schlechten Betreuungssituation sondern an den Vorstellungen die viele Kollegen vom zweitjob Familie haben. Das wird leider immer noch nicht als Arbeit angesehen sondern als persönlicher Luxus und Zumutung für die berufliche Zusammenarbeit.
Ich habe lange suchen müssen, bis ich einen Arbeitgebe gefunden habe der da moderner denkt. (Ohne Netzwerken ist das ein Glücksspiel)

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