Viola Glückler ist Senior Consultant Social Recruiting Services bei XING.
Human Resources und Recruiting
Viele Menschen verbringen heute einen Großteil ihrer Online-Zeit in sozialen Netzwerken. Wer an Karrieremöglichkeiten interessiert ist, bevorzugt dabei den Austausch in beruflichen Netzwerken – in diesem Bereich ist XING im deutschsprachigen Raum mit mehr als 5,5 Millionen Mitgliedern führend. An solchen digitalen Treffpunkten erreichen Unternehmen viele der begehrten Fachkräfte.
Neue Erwartungshaltung von Kandidaten
Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels können Unternehmen sich einen Wettbewerbsvorteil verschaffen, wenn sie soziale Netzwerke zur gezielten Suche nach Talenten, zur Direktansprache und Positionierung als attraktiver Arbeitgeber einsetzen. Mit dem Eintreten der jüngeren, internet-affinen Generation in den Arbeitsmarkt sollte der Trend zum Social Recruiting noch zunehmen – denn die Generation, die mit dem Internet aufgewachsen ist, informiert sich in ihrem Online-Netzwerk auch über einen potenziellen Arbeitgeber und stellt an diesen neue Erwartungen: Kandidaten wollen schon vor dem Eintritt ins Unternehmen über die Firmenkultur informiert werden; sie erwarten, über ihr soziales Netzwerk gefunden und auf ein passendes Angebot angesprochen zu werden. Dies gilt für die Zielgruppen Hochschulabsolventen und Young Professionals genauso wie für Fach- und Führungskräfte mit langjähriger Berufserfahrung.
HR- und Personalmarketing-Experten nutzen soziale Netzwerke bereits heute zum Beispiel für folgende Aktivitäten:
- passende Kandidaten und Talente zielsicher identifizieren,
- unkomplizierte Aufnahme eines ersten Gesprächs mit potenziellen Mitarbeitern,
- Präsentation von maßgeschneiderten Karriereangeboten – direkt bei der jeweiligen Zielgruppe,
- Zusammenführung qualifizierter Kandidaten in einem Pool mit stets aktuellen Kontaktdaten,
- Aufbau von langfristigen Beziehungen im Sinne eines Talent Relationship Management,
- authentische und transparente Positionierung als attraktiver Arbeitgeber,
- frühzeitiger, offener Austausch zwischen Kandidaten und Unternehmen,
- Einbindung der eigenen Mitarbeiter als Unternehmensbotschafter und Multiplikatoren.
Im Folgenden werden diese Social-Recruiting-Aktivitäten näher ausgeführt:
Interaktive Prozesse im Recruiting nutzen
In den sozialen Medien lässt sich durch die vielfältige Nutzung von Stellenanzeigen eine hohe Verbreitung erreichen: Durch das Posten von Anzeigen in Blogs und Foren, auf Twitter und in anderen Communitys wird der virale Effekt erhöht. Auf diese Weise nutzen Unternehmen nicht nur die Multiplikatorenwirkung, sie können auch ihre jeweilige Zielgruppe direkt adressieren. In beruflichen Netzwerken „findet“ eine Stellenausschreibung den richtigen Kandidaten: Sie wird passenden Mitgliedern vorgeschlagen und kann dann per Klick weiterempfohlen werden. Außerdem können Personalverantwortliche in Fachgruppen gezielt Mitglieder suchen und unkompliziert mit ihnen Kontakt aufnehmen.
Recruiting und Employer Branding verschmelzen im Social Web
Innovative Personalmarketing-Verantwortliche machen sich gezielt zunutze, dass Recruiting und Employer Branding immer mehr eine Einheit bilden. Gerade kleinere und mittelständische Unternehmen profitieren davon – schließlich können sie zum Beispiel im Business-Netzwerk unabhängig von ihrer Größe durch ein interessantes, interaktiv nutzbares Profil auf sich aufmerksam machen. Je intensiver sie dabei die Empfehlungsmöglichkeit im Netzwerk, die Veröffentlichung karriererelevanter Nachrichten oder auch die Generierung von Followern nutzen, desto größer ist die Chance, begehrte Talente zu erreichen und ihr Interesse zu wecken. Durch die Hebel sozialer Netzwerke lassen sich dabei schon mit moderaten Budgets deutliche Mehrwerte in der kandidaten-orientierten Personalarbeit und im Employer Branding erzielen. Unterstützt wird der Rekrutierungserfolg in sozialen Medien durch die sorgfältige Auswahl passender Profile, die professionelle, individuelle Ansprache sowie das Kandidaten-Handling – dazu gehört auch die zügige Bearbeitung, denn im Netz kommuniziert man in Echtzeit.
Aktive Gestaltung der Arbeitgebermarke
High Potentials werden heute von vielen Arbeitgebern umworben, daher reagieren sie nicht auf jede Offerte. In Zeiten des Fachkräftemangels ist es für Unternehmen umso wichtiger, die Kandidaten von sich als Arbeitgeber zu überzeugen und sich auch auf diesem Gebiet durch Alleinstellungsmerkmale vom Wettbewerb abzuheben. Immer mehr Unternehmen nehmen den Aufbau der eigenen Arbeitgebermarke daher aktiv in die Hand. Sie wissen: Im Netz wird über sie als Arbeitgeber gesprochen, ob sie sich daran beteiligen oder nicht.
Mitarbeiter sind Botschafter
Bewerber sowie ehemalige und aktuelle Mitarbeiter geben in Online-Bewertungsplattformen wie kununu Einschätzungen zu einem Unternehmen ab, die Interessenten schon ein sehr konkretes Bild hinter die Kulissen über die Firmenkultur gewähren. Im beruflichen Netzwerk können die aktuellen Mitarbeiter eines Unternehmens darüber hinaus unkompliziert kontaktiert werden, auch ihre Profile erhalten relevante Informationen für Bewerber. Damit ist jeder einzelne Firmenangehörige auch Botschafter der Arbeitgebermarke: Mitarbeiter können etwa in Blogs und Foren Beiträge schreiben, Themen voranbringen und dadurch die Botschaften eines Arbeitgebers authentisch vermitteln. Dies setzt voraus: Die Arbeitgebermarke muss auch intern kommuniziert und fest verankert werden.
Aufmerksamkeit generieren
In den sozialen Medien machen Arbeitgeber durch relevante Neuigkeiten an die Community auf sich aufmerksam. Dazu können sie einen Pool an Interessenten aufbauen. Mitteilungen und Tweets im XING-Unternehmensprofil etwa werden von Abonnenten automatisch bezogen und unterstützen den Aufbau einer Arbeitgeber-Marke. Ein überzeugter Abonnent wird Unternehmensmitteilungen und Stellenangebote auch in seinem eigenen Netzwerk weiterempfehlen.
Aufbau von langfristigen Beziehungen
Mitarbeitersuche ist heute keine kurzfristige Maßnahme mehr. Soziale Netzwerke eröffnen die Chance, in einen dauerhaften Dialog mit Fachkräften zu treten und diesen als Arbeitgeber Transparenz zu bieten. Im sozialen Netzwerk bleiben die Kontaktdaten aktuell – Unternehmer und Kandidaten verlieren sich nicht mehr aus den Augen.
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Vor allem die langfristigen Beziehungen sollten bedacht sein.