Svenja Hofert am 11.06.2012 um 15:15Uhr MEZ
Anmerkung der Redaktion: Wir freuen uns über diesen Gastbeitrag von Svenja Hofert. Svenja Hofert ist Deutschlands erste Expertin für neue Karrieren und betreibt einen der erfolgreichsten Blogs zum Thema: http://www.svenja-hofert.de. Ihr Spezialgebiet ist die Zukunft der Arbeit – und wie man sich schon jetzt darauf vorbereitet.
Soft Skills? Persönliche Stärken? Da habe er noch nie drüber nachgedacht. Blickkontakt aus dem seitlichen Augenwinkel, Finger in sich verkeilt. Die Fachkompetenz hinter unbeholfenem Auftreten und Wortlosigkeit verschwunden. In einer Zeit, in der Abteilungsgrenzen sich auflösen und Kommunikation mit unterschiedlichen Parteien immer wichtiger wird – Kunden, Kollegen, Managern, Lieferanten – ein deutlicher Karriere-Nachteil. Der Mann war Wirtschaftsprüfer, hätte aber auch Entwickler sein können, Verwaltungsangestellter oder Wissenschaftler.
Eher unwahrscheinlich, dass ER eine SIE wäre. Jaja, jetzt krieg ich ordentlich Haue für dieses Klischee. Doch es ist keins, denn die Wahrheit ist: Es gibt Frauen, die sich schlechter verkaufen als sie sind; das tun sie eher noch als Männer. In Sachen Kommunikation, verstehen wir sie hier als Darüber-Reden, finden sich allerdings nur wenige weibliche Totalausfälle. Selbst das Fehlen von passenden Worten kann SIE noch beschreiben.
Insofern sind Frauen in Sachen Soft Skills im Vorteil: Beim Darüber-Nachdenken und Reflektieren, gern auch mit anderen, fängt die Sache nach den eigenen Stärken – zu denen die Soft Skills gehören – nun mal an. Denn erst wer sich seiner eigenen „weichen“ Fähigkeiten bewusst ist, kann diese in Worte fassen, mit Beispielen ausschmücken – und darüber sprechen und auch im Internet zeigen. Gehet und redet alle darüber, denn das ist die Kunst der Selbstdarstellung! Stopp, von wegen Kunst: Selbstdarstellung ist nichts als ein Handwerk, das gelernt werden kann.
Und, das sollten Sie nie vergessen: Selbstdarstellung ist eine Schlüsselkompetenz in Zeiten des Internets und der veränderten Arbeitswelt. Sehr hilfreich für die Selbstdarstellung sind kommunikative Stärken. Die Fähigkeit zum guten schriftlichen Ausdruck bekommt in diesen Zeiten eine ganz neue Bedeutung: Im Vorteil sind in XING-Profilen, bei Twitter und erst recht in Blogs diejenigen, die Schreiben und Be-Schreiben können. Zum Beispiel auch ihre eigenen Soft Skills, denn Worthülsen wie Teamfähigkeit und Organisationstalent sind mündlich genauso nichtssagend wie schriftlich.
Warum das Worthülsen sind, fragen Sie? Weil sich hinter so einem Wort alles und nichts verbirgt. Die Fähigkeit zur fruchtbaren Zusammenarbeit mit anderen beinhaltet ein Bewusstsein für die Unterschiedlichkeit von Persönlichkeiten, für das Zusammenspiel von Stärken und den Umgang mit Verschiedenartigkeit. Sie ist also viel mehr als das, was gemeinhin unter Teamarbeit verstanden wird (nämlich eine gewisse Geselligkeit und die Bereitschaft, mit anderen zu reden).
Wer heute von sich sagt, er beherrsche die Kommunikation, sollte damit nicht nur meinen, dass er oder sie reden kann, sondern viel mehr als das: verstehen und hinterfragen, was der andere meint und sicherstellen können, dass eigene Aussagen beim Gegenüber ankommen.
Eine eigene und neue Kategorie innerhalb der Soft Skills ist das Selbstmanagement, weit mehr als zeitliche Organisationsfähigkeit – eine innere Haltung: Selbst-Manager steuern sich und ihre Zielerreichung von innen. Ein echter Mehrwert für die Karriere und in Zeiten, in denen die Zukunft der Arbeit teilweise schon da ist, in manchen Berufen und Funktionen geradezu essentiell für das berufliche Überleben. Ebenso wie Networking-Skills, eine der zentralen Kompetenzen für die Bewältigung der Zukunft der Arbeit, denn was sind wir ohne unsere Online- und Offline-Netzwerke?
„Du wirst eingestellt aufgrund deiner Fachkompetenz, aber gefeuert wegen deiner Persönlichkeit“ – der Satz ist leider immer noch wahr. Fachliche Kompetenzen sind wie ein weißes T-Shirt oder eine Bluse, ein Basic, ohne das Sie nackt sind. Aber sie wirken nicht, wenn die Soft Skills fehlen, die Sie letztendlich kleiden und Ihre Wirkung nach außen bestimmen. In unserer Welt des globalen und damit interkulturellen Dialogs, der Teamarbeit, der zunehmend gewünschten, aber noch viel zu selten praktizierten Partnerschaft auf Augenhöhe zwischen Kunde, Manager und Mitarbeiter, sind sie der Schlüssel zum beruflichen Überleben.
Stärken? „Ich finde, Ihre Stärken sind Ihre Ruhe und Ihre Ehrlichkeit“, sagte ich ehrlich zu meinem Kunden. „Sie sind unverstellt. Man merkt, es geht Ihnen vor allem um den Inhalt. Jetzt müssen Sie nur noch eins tun: darüber reden, auch darüber, dass sie sich ungern selbst vermarkten.“



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Freundliche Grüße
Bernd Leibold