Tanja Gabler ist Leiterin der Onlineredaktion der INTERNET WORLD Business. Und sie ist Mutter, derzeit in Elternzeit. Anlässlich des Netzwerktrainings in München, das XING gemeinsam mit dem BMFSFJ und dem lokalen Träger power_m veranstaltet, war sie unser Gast. Wir hatten sie gebeten, über ihre persönliche Erfahrung als Journalistin mit sozialen Netzwerken zu berichten und zu zeigen, welche Rolle diese gerade in der Elternzeit spielen.
Anschließend haben wir mit ihr gesprochen.

Tanja Gabler, Leiterin der Onlineredaktion der INTERNET WORLD Business

Frau Gabler, wieviel Zeit verbringen Sie am Tag mit sozialen Medien?
Beruflich ungefähr eine Viertelstunde am Tag. Die private Nutzung schwankt je nach Laune.

Das klingt wenig, reicht das denn?
Es reicht natürlich nicht, um jeden Beitrag zu lesen, jeden Link zu verfolgen. Aber es ist genug, um über die wichtigsten Themen aus der Branche auf dem Laufenden zu sein.

Warum haben Sie sich entschlossen, hier heute einen Vortrag zu halten?
Ich glaube nach wie vor, dass Frauen Netzwerk- als auch Karrierechancen viel zu wenig nutzen. Karriere funktioniert ohne Netzwerken  aber kaum. Vielen Frauen fehlt nach einer familienbedingten Pause ein berufliches Netzwerk. Ich wollte in meinem Vortrag zeigen, wie wichtig es ist, in diesen Bereich zu investieren.

Warum glauben Sie, dass man ohne Kontakte auf verlorenem Boden ist?
Das liegt daran, dass in der Tat viele Jobs über Kontakte vergeben werden. Das geschieht nicht unbedingt dadurch, dass man direkt jemanden kennt, der für den Job in Frage kommt. Vielmehr hört man über andere von Jobs oder auch von Stellenausschreibungen. Von meinen Freunden hat mir noch niemand einen Job nahegelegt. Eher sagten sie, schau‘ Dir mal diese Firma genauer an oder in der Branche geht was, das passiert durchaus häufiger. Einmal hat mich auch ein ehemaliger Kollege ins Unternehmen nachgeholt.

Sie sagen auch, dass Frauen öfter ein mulmiges Gefühl haben wenn es ans Netzwerken geht. Woran machen Sie das fest? Und woher glauben Sie kommt das?
Ich sehe, dass Frauen – viel mehr als Männer – ein Problem damit haben, sich in den Vordergrund zu stellen und zu sagen „Hier bin ich, das mache ich, dafür stehe ich.“ Das machen sie privat sehr gut, aber im beruflichen weniger. Das hat möglicherweise mit Erziehung zu tun. Dass Mädchen, die sich in den Vordergrund stellen, als theatralisch betrachtet werden, wohingegen Jungs im gleichen Fall gelobt werden.

In Ihrem Vortrag sagen sie, dass Frauen in sozialen Medien eher über Dinge sprechen, die ihnen am Herzen liegen und auf Inhalte von Dritten hinweisen. Männer hingegen erzählten eher was sie selbst tun. Können Sie ein Beispiel nennen?
Naja, ein klassischer Männerpost könnte lauten „Bin auf dem Weg zur Konferenz xy, wo ich einen spannenden Vortrag  zum Thema SEO halten werde.“ Frauen hingegen schreiben eher „Ich war gerade auf dieser Konferenz, wo ich viele interessante Vorträge gehört habe.“ Erst auf persönliche Nachfrage sagt sie dann, dass auch sie unter den Referenten war. Ich glaube da muss man sich echt ein Beispiel nehmen an den Männern. Selbst wenn man sich fragt ob man nicht…

…unbescheiden ist?
Ja, genau! Frauen denken ja auch oft, sie seien nicht geeignet für eine Stelle weil wir ‚nur‘ 80% der geforderten Anforderungen erfüllen. Ich glaube, wir Frauen werden hier zu sehr zur Bescheidenheit erzogen.

Zusammengefasst, welche Vorteile haben Netzwerke für Sie persönlich?
In erster Linie kann ich dadurch Kontakte halten. Treffe ich jemanden auf einer Veranstaltung, dann bleibt man über soziale Netzwerke in Verbindung und hat die Möglichkeit, gleichzeitig informiert zu bleiben, was derjenige macht. Wechselt der mal die Firma, habe ich über soziale Netzwerke die Möglichkeit zu erfahren, dass er nun an anderer Stelle arbeitet. Zudem kann ich ihn kontaktieren, obwohl Emailadresse und Telefonnummer nicht mehr die sind, die auf der Visitenkarte von damals stehen. Wichtig ist aber auch auf dem Laufenden zu bleiben, was gerade passiert. Gerade in unserer Branche geschieht innerhalb von sechs Monaten so viel, wie in anderen Branchen in zwei oder drei Jahren. Da ist es wichtig, zu wissen, worüber sich die Leute unterhalten, welche Infos sie posten. Davon profitiere ich gerade jetzt auch in der  Zeit, in der ich in Elternzeit bin.


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Kommentare
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Andreas Steffens on 14.06.2012 at 18:37h CET

Ich wundere mich über folgendes, warum verallgemeinert Frau Gabler ihre persönliche Erfahrung und sagt “Frauen” obwohl sie sich selbst meint. In meinen Augen ist das Stimmungsmache (genau wie die Überschrift des Artikels). Mich wundert überhaupt in letzter Zeit dieser Rückfall vieler “Journalisten” in sexistische Stimmungsmache, indem immer häufiger Stereotypen und Klischees so breit ausgerollt werden.

Warum schreibe ich das? Meiner Meinung nach gibt es sehr viele Frauen, die sowohl Netzwerke aktiv nutzen, als sich theatralisch und offensiv in den Vordergrund stellen können, auch im Berufsleben. Allerdings wird immer wieder darauf gepocht, wie sehr doch die Frauen das arme, unterdrückte Geschöpf sind, wie an dem Beispiel zum “zur Bescheidenheit erzogen”. Ich weiss nicht aus welcher gesellschaftlichen oder sozialen Schicht Frau Gabler stammt, aber die modernen Frauen, die ich kennengelernt habe sind nicht so und ziehen sich auch nicht in ihre Opferrolle zurück, weil sie dem längst entwachsen sind.

Andreas Steffens on 14.06.2012 at 20:55h CET

Warum wird mein Kommentar nicht veröffentlicht?

Andreas Steffens on 14.06.2012 at 21:53h CET

Nun, da mein letzter Kommentar offensichtlich zensiert wurde, hier die Kurzfassung.

Vollkommen veraltete Darstellung einer Ansicht einer Person, die sich gerne in der Opferrolle sehen will auf der Suche nach Bestätigung von ihresgleichen (nicht Frauen, Opfergenossen). Von XING (Frau Rittig) reisserisch mit Großbuchstaben in der Hoffnung in Szene gesetzt, viele beschränkte Leser/innen zu finden, die sich in den stumpfsinnigen Klischeereigen einreihen.

Widerlich!

Birgit Pohl on 15.06.2012 at 10:49h CET

Häufig ist es leider so, dass wenn Frauen mal nicht bescheiden sind, sie dann als zu ehrgeizig empfunden werden, weil sie einfach nicht in das Bild der bescheidenden Frauen passen.

Jan H. Winter on 18.06.2012 at 12:31h CET

Ich sehe das gerade hier in XING nicht so. Die Frauen, also meine Kontakte, die hier in der Mitteilungszeile posten, erzählen schon sehr selbstbewußt über sich, wo sie sind, was sie tun, was ihr Angebot ist. Nun sehe ich natürlich nur einen kleinen Bruchteil der weiblichen XING Mitglieder. Da zählen dann wohl die sehr selbstbewußten und weniger bescheidenen Frauen zu meinen Kontakten. Was mich sehr freut!

Simone Happel on 27.06.2012 at 11:32h CET

Wenn diese Darstellung so veraltet ist, Herr Steffens, dann frage ich mich, warum wir noch immer über Frauenquoten etc. nachdenken (müssen). Und ich frage Sie, wie viele Väter Sie kennen, die – über die zwei Pseudo-Monate hinaus – in Elternzeit sind oder waren?

Simone Happel

Andreas Steffens on 27.06.2012 at 11:45h CET

Frau Happel, weil ich denke, dass es viele Frauen gibt, die so in diesem Denkschema verhaftet sind, dass sie überall nur noch (männliche) Feinde sehen, wo gar keine sind. Mal davon abgesehen, meinen Sie denn wirklich, dass Männer die Erziehungszeit nicht WOLLEN oder ihre Frauen ZWINGEN statt ihnen die Elternzeit zu machen? Was denken Sie denn, wieviele Frauen es uns Männern gar nicht zutrauen ein Kind zu erziehen. Ich habe das eine Zeit lang getan (also allein zu erziehen, nicht Elternzeit), was glauben Sie, wie oft ich komische Blicke und dumme Kommentare von Frauen hören musste, die in die Richtung gingen: “Kinder gehören zur Mutter”. Von weiblichen Anwältinnen, Richterinnen, Verfahrenspflegerinnen und Jugendamtssachbearbeiterinnen mal ganz zu schweigen.

Das Feindbild und die Stereotypen werden, so denke ich, gleichmäßig von beiden Geschlechtern geprägt, aber die Opferrolle und das Selbstmitleid, in der die sich übervorteilt fühlenden Frauen sich suhlen ist Hausgemacht.

Das Thema Frauenquoten ist meiner Meinung nach sowieso vollkommener Unsinn, warum muss der Gesetzgeber sich so viel in die Wirtschaft einmengen, sind die Frauen etwa zu schwach ihr Recht selbst zu erkämpfen, also doch das schwache Geschlecht? Ich glaube nicht, ich glaube eher hier sprechen verbitterte Menschen, die ihren persönlichen (Welt-)Schmerz auf die Allgemeinheit abbilden wollen.

Simone Happel on 27.06.2012 at 12:09h CET

Lieber Herr Steffens,

Sie denken, dass es viele Frauen gibt, die überall männliche Feinde sehen, aber Sie wissen es nicht ;) Ich jedenfalls gehöre nicht dazu, ich habe einen Mann, zwei Söhne und sehr viele männliche Freunde.

Ich glaube, dass es sicher viele Männer gibt, die keine Elternzeit machen wollen. Und ich glaube auch, dass es viele Frauen gibt, die es Männern nicht zutrauen, ihr Kind zu erziehen. Beides finde ich bedauerlich.

Sie werfen der Autorin vor, dass sie ihre persönliche Erfahrung verallgemeinert. Aber machen Sie das nicht gerade auch? Machen wir das nicht alle, weil wir letztlich das Ergebnis unserer eigenen Erfahrungen sind? Ich bin Jahrgang 1973 und habe sehr häufig (Gott sei Dank nicht zu Hause) Sätze wie: “Du bist doch ein Mädchen,… bzw. “Jungs weinen nicht”. etc. gehört. Daher denke ich schon, dass Männer und Frauen häufig unterschiedlich in Bezug auf “Bescheidenheit” etc. “ticken”.

Fakt ist doch, dass hauptsächlich Frauen Erziehungsurlaub machen und Fakt ist auch, dass 2/3 aller von Altersarmut Betroffenen Frauen (Mütter) sind. Und ja, auch wir Frauen müssen etwas tun, Opferrollen und Selbstmitleid helfen niemandem, ganz klar. Aber genau so, wie Sie “Kinder gehören zur Mutter” gehört haben, hören arbeitende Frauen “Rabenmutter” etc.

Ich denke, hier braucht es Toleranz und Offenheit von allen Seiten.

Simone Happel

Andreas Steffens on 27.06.2012 at 14:23h CET

Hallo Frau Happel,

das Argument ist gut :) . Was mich stört sind stereotypen, in der Art wie Sie es beschreiben und ich es auch erlebe. Hierzungehören für mich positive, wie “weil ich ein Mädchen bin”-Aussagen genauso dazu, wie “echte Männer tanzen nicht”.

In meiner Erziehung, ich bin Baujahr 1972 und mein Vater 1924, spielte Toleranz und Gleichberechtigung eine große Rolle, weshalb ich über Aussagen wie von der Autorin geschildert, schockiert und gleichermaßen auch brüskiert bin. Hinzu kommt, dass ich sehr viele Frauen in Führungspositionen kenne, auch mit Kindern und noch mehr Männer, die Frauen als absolut gleichberechtigt sehen, genau wie ich auch. In manchen “typischen Männerberufen” oder “Männerdomänen” sehe ich viele Frauen, die meiner Meinung nach viel besser geeignet sind als ihre männlichen Kollegen. Der Vertrieb ist zum Beispiel einer davon.

Auf der anderen Seite habe ich erlebt, dass Männer in typischen Frauenberufen oft belächelt werden und einfach einen viel besseren Job machen, weil es eben nicht am Geschlecht, sondern am Wesen liegt. So zum Beispiel in Pflegeberufen oder als Erzieher.

Sie haben natürlich Recht, ich kann auch nur das Erlebte zugrunde legen, denn wirklich objektiv ist dieses Thema nur sehr schwer betrachten. Fakt ist und das wollte ich damit aussagen, ich glaube es gibt nur sehr wenige Berufe, die spezielle Geschlechter nicht ausüben können und wenn dann höchstens nur aus Gründen der physischen Konstitution und ich denke es gibt heute mehr Männer, die Frauen das auch zutrauen, als früher.

Was ich zu bedenken geben möchte ist, WER erzieht denn “die Frauen” zur Bescheidenheit? Also wer ist zu Hause und gibt bei der Erziehung den Ton an, wie Mädchen und Jungs zu sein haben? Es sind Frauen. Ich würde ja gerne mal eine Langzeitstudie machen/lesen/erleben wie sich Kinder entwickeln, wenn sie von Hausfrauen in der “klassischen Mutterrolle” erzogen werden im Vergleich zu Kindern, die von Karrierefrauen oder Hausmännern oder von Eltern erzogen werden, die aufgeklärter agieren. Und es gäbe noch viel mehr Dinge, die mich in diesem Zusammenhang interessieren.

So frage ich mich auch, wie entwickeln sich Kinder der verschiedenen sozialen Schichten beruflich im Vergleich und wer erzieht dann aus all den Beispielen die Kinder später.

Lange Rede, kurzer Sinn ich bin und bleibe gespannt und dann wäre ja noch das Thema, dass viele Chaoten Spießer hervorbringen und umgekehrt ;)

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