Christian Burtchen am 26.05.2009 um 14:44Uhr MEZ
Der Übergang ins einundzwanzigste Jahrhundert markiert nach dem Abkehr vom Industriezeitalter einen weiteren epochalen Wandel der Menschheitsgeschichte: Die Dienstleistungsgesellschaft wird, noch ehe sie es sich gemütlich gemacht hat, durch die Informationsgesellschaft ersetzt. Nur einige Fakten des legendären „Did you know?”-Videos stimmen nachdenklich:
„Schätzungen besagen, dass eine Wochenausgabe der New York Times mehr Informationen enthält, als eine Person im achtzehnten Jahrhundert während ihres gesamten Lebens erfahren würde.” (3:20 im Video) – und dabei scheint selbst die Grey Lady überschaubar im Vergleich zu den Informationsweiten des Internet mit seinen Dimensionen im Enterprise-Intro-Format (Sie wissen schon, unendliche Weiten…).
Fluch und Segen: RSS-Feeds und Browser-Tab #30
All the news that’s fit to print, wie die New York Times sagt, sind eben nicht zwangsläufig alle potenziell relevanten Nachrichten. Online bietet mehr, gleichzeitig und mit dem Hypertext auch immer noch mehr und noch gleichzeitiger. Zögerlich begannen die ersten Zeitungsverlage um die Jahrtausendwende, ihre Artikel online verfügbar zu machen. Es folgten weitere, die Webauftritte mit teils großen Fanfaren auf die Bühne geholt. Technische Weiterentwicklungen wie Tabbed Browsing oder RSS-Feeds verhalfen den, verzeihen Sie den Begriff, News-Junkies zu mehr Stoff.
Und genau da ist das Problem. Meine sich synchronisierenden Feedreader holen eigentlich „nur” die Infos von einigen Tageszeitungs-RSS-Feeds, ein paar Blogs, Technik- und IT-Seiten sowie ein paar Abos von Spiele-Webseiten – und bieten mir regelmäßig an, die weiße Fahne zu hissen („Hit the Panic Button!”). Rund 4,000 Artikel am Tag, das ließe sich unmöglich lesen, selbst wenn mein Monitor nicht in Sichtweite meines Chefs wäre. Dennoch habe ich das Gefühl, dass einige relevante Nachrichten oder pointierte Meinungen im Dickicht unentdeckt bleiben.
Eine wichtige Funktion des Journalismus, die Selektion und Gewichtung, ist zunehmend schwierig geworden. Das ist zum Einen eine Chance für Journalisten, zum anderen aber auch die Stunde, in der das sogenannte Web 2.0 seine Stärke ausspielen kann, die soziale Komponente. Das Netz, in dem Sie sich mit Ihren Echtweltbekannten vernetzen, mit denen Sie bereits Interessen oder Hobbys teilen – oder in Gruppen entsprechende neue Menschen kennenlernen. Das Netz, das in der Lage ist, auf Basis Ihres bestehenden Musik- oder Buchgeschmacks andere für Sie interessante Titel herauszusuchen. Das Netz, das Ihnen Menschen vorschlägt, die Sie kennen könnten – das Netz ist prädestiniert dafür, Ihnen News vorzuschlagen, die Sie interessieren.
Soziale Netzwerke als Nachrichtenfilter
Das geschieht schon in erheblichem Umfang: Laut einer Studie des Marktforschungsunternehmens Hitwise sind Soziale Netzwerke als Quelle für News-Webseiten bereits wichtiger als etwa Google News, der Microblogging-Dienst Twitter nimmt noch Anlauf. Solche Ergebnisse sind nicht zwangsläufig auf andere Länder übertragbar und sollten auch in Relation zu Traffic der Marke Web 1.0 (direktes Aufsuchen oder Suchmaschine) gesetzt werden.
Dennoch treibt es besonders die technikaffinen Benutzer, wie Holger Schmidt von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung schreibt, bald wieder anders in andere Gefilde. Ihnen kommt es nicht darauf an, dass die Meldung Heimvorteil hat, sondern dass sich im Kontext thematisch sinnvolle weitere Meldungen anschließen. Darauf reagieren Medien, indem Sie für Ihre Nachrichten neue Kanäle öffnen, ähnlich einer RSS-Aboschleuder mit vielen dynamischen Konfigurationsmöglichkeiten, aber ohne die Offline-Sackgasse eines Auffängerprogramms, sondern in bester Nachbarschaft zu anderen Meldungen von Interesse. Jeff Jarvis, der auch kürzlich bei XING in Hamburg zu Gast war, hält entsprechende Schnittstellen für Inhalte statt hauseigenen Webseiten für die neue Distributionsmethode. Die New York Times oder auch der Guardian bieten entsprechende Möglichkeiten an, erst kürzlich hat die NYT sogar eine Redakteuerin speziell zur Verbreitung der Nachrichten in sozialen Netzwerken angestellt.
Die OpenSocial-Applikation XING News, zeigt bereits im Beta-Stadium, zeigt das große Potenzial, das eine sinnstiftende Einbettung von sozial und thematisch relevantem Inhalt bieten kann. Kommentare und Bewertungen der jeweiligen Artikel sind dabei ein erster Schritt, die verschiedenen interaktiven Elemente des Webs zu verknüpfen. Wie Jason Goldberg bereits angekündigt hat, werden wir demnächst weitere Applikationen einführen, welche diese Möglichkeiten weiter ausbauen.
Dass Nachrichten zum Benutzer kommen, ist seit der Erfindung des Zeitungsabos (ja, das analoge mit den Zustellern um halb fünf in der Frühe!) nichts Neues. Dass man zum Abholen nicht mehr zwangsläufig in den Schlappen vor die Tür treten muss, ebenfalls nicht. Aber: Im 2.0-Zeitalter bleibt draußen, was Sie nicht interessiert – dafür befassen Sie sich mit den Themen und den Menschen, die Sie gerne in Ihrer Gesellschaft haben. Der Informationsgesellschaft, versteht sich.



Der offizielle XING Twitter-Account
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Moin,
Sie schreiben: “das Netz ist prädestiniert dafür, Ihnen News vorzuschlagen, die Sie interessieren.” Ich hoffe inständig, dass nicht irgendwann ein WWW existiert, das komplett auf diese Art und Weise funktioniert.
Wie erfrischend können Tipps und Hinweise von Freunden und Bekannten sein, denen etwas Neues im Netz aufgefallen ist. Etwas, was in erster Linie nicht meine Interessen anspricht, aber neues Interesse entfacht.
Zu meinen Xbox-Zeiten habe ich mit Inbrunst und Begeisterung Titel wie “Fable” gespielt – als dann plötzlich der “Defjam Fight for NY”-Test anstand, war ich erst einmal skeptisch. Ich und eines dieser Beatem up’s? Ein paar Wochen später wanderte mein Spielstand auf die Cover-CD der Xbox-Zone. Natürlich mit einem Charakter, der bis zur Hutkante ausgebaut war.
Möge eine Großzahl an Communites auch weiterhin zu vielen Meinungsbildern und neuen Ideen führen.
Gröten ut Leer & Oldenburg,
Nico Lindner
So wie es aussieht, ist es trotzdem erst der Anfang der Informationsgesellschaft. Die Menge der Informationen waren ja immer schon vorhanden, nur eben in den Köpfen der Menschen. Das Internet ist das erste Medium, an welchem sich ALLE Menschen beteiligen können. Das dies noch nicht ganz möglich ist liegt an der Technologie und den Zugangsmöglichkeiten in den entsprechenden Regionen dieser Welt. Doch wenn erstmal 50% oder 75% der Menschheit online sind und jeder täglich kommentiert, liest, moderiert und recherhiert entsteht eine nahezu unfassbare Wissenmenge, Wissensverteilung und Wissensumschichtung, den Wissen und Informationen wachsen immer exponentiell. Das heißt, je mehr Wissen entsteht, je mehr wird noch entstehen. Ein Traum für die Geschäftsmodelle, welche von Informationen leben