Christian Burtchen

Christian Burtchen am 06.04.2009 um 16:04Uhr MEZ

Der viel besprochene Medienwandel stellt Verlage und  Medienhäuser vor eine gewaltige Herausforderung. In meiner vorherigen Position als Leitender Redakteur des Fachmagazins PC Games setzte ich mich sehr intensiv mit der Frage auseinander, wie ein Gutenberg’sches Medium im einundzwangsten Jahrhundert geschickt Leser binden kann. Nicht nur die XING-Gruppen Nachrichten 2.0 (über 2.000 Mitglieder) und Journalismus 2.0 (ca. 700 Teilnehmer) zeigen, dass das Thema die Branche betrifft und diese reagiert. Bereits seit rund fünf Jahren etabliert und über 10.000 Mitglieder stark sind die Gruppen Print & Publishing und Verlagswesen und Medien, die sich auch mit der Distribution und technischen Vervielfältigung beschäftigen – danke für diesen Hinweis an Johannes F. Woll.

Denn: Die Anforderungen an eine moderne Nachrichtenseite haben sich in den letzten Jahren geändert. Reichte es vor ein paar Jahren, das Redaktionsarchiv aktuell zu halten, erzeugen nun Community-Features das allgegenwärtige Web-2.0-Flair und strahlen damit Modernität aus und erhöhen die Beschäftigung des Lesers mit dem Medium. Mehr und mehr Redakteure twittern, bloggen und podcasten. Viele Zeitungen und Zeitschriften bieten Leser- respektive User-Interaktion, angefangen vom simplen Kommentieren eingestellter Artikel über Blogs und Freundeslisten bis zu  Video- und Bilderupload-Bereichen. Aber wie sieht es mit der Nutzung sozialer Netzwerke zur Leserbindung und -gewinnung aus?

Mit Kollegen und Partnern verbinden

Zunächst: Viele Menschen, die bei Medien im allgemeinen und Zeitungen im speziellen tätig sind, haben sich auch bei XING eingetragen und vernetzen sich fleißig mit Kollegen. Pressesprechern und anderen Ansprechpartnern. Von jedem größeren und fast jedem kleineren Verlag sind etliche Mitarbeiter beim Business-Netzwerk aktiv. So befinden sich auf XING zum Beispiel:

  • je rund 400 Mitarbeiter von Reuters und der Deutschen Presse-Agentur
  • je über 1.000 Beschäftigte von Burda und Gruner + Jahr, über 2.000 vom Axel-Springer-Verlag

Die Medienmacher nutzen dabei auch Gruppen, um sich untereinander auszutauschen. Die Gruppe Printmedien zählt etwas mehr als 2.000 Mitglieder, Print- und Online-Journalismus zählt rund 1.600 Anhänger. Das regionale und nicht nur auf Zeitungen beschränkte media.net Brandenburg kommt auf über 200 Teilnehmer, 162 XING-Mitglieder nehmen am Austausch zu Technik- und Wissenschaftsjournalismus teil, fast 900 bei Gesundheitspublizistik. Daneben gibt es auch auf bestimmte Berufsfelder spezialisierte Verbände: Medienkaufleute, -manager und -berater etwa. Über Events wie den OpenCoffeeClub lassen sich drei K (Koffein, Kohlenhydrate, Kontakte) auf nützliche Weise verbinden.

Neue Autoren finden

Früh morgens, halb zehn in Deutschland: In der Redaktionskonferenz werden benannte Kohlenhydrate vernichtet und der Tages- oder Wochenplan fürs Blatt erstellt. Dabei: jede Menge Themen, für die ein Experten-Interview oder zumindest ein paar Hintergrundinformationen von einem Fachmann deutlichen Mehrwert bringt. Und wo findet man Experten, wenn man die Visitenkarten nicht in der Schublade (neben den Kohlenhydraten!) hat? Genau:  Orgelbauer, Kürschner, Tibetologen – potenzielle Ansprechpartner lassen sich mit der XING-Suchmaske schnell ausfindig machen.

Und natürlich: Das Kernteam des Magazins verstärken freie Autoren. Doch, was, wenn keiner der Stamm-Freelancer verfügbar ist oder eine Veranstaltung zehn Tagesmärsche entfernt statt findet? Genau: Neue freie Mitarbeiter lassen sich über ein Businessnetzwerk wie XING finden, noch dazu, ermöglicht die erweiterte Suche gezielte Abfragen, etwa nach bestimmten Regionen.

Darüber hinaus leistet die Powersuche ganze Arbeit. Wer bei „Ich suche” und „Ich biete” entsprechend aussagekräftige Angaben zu seiner freien Mitarbeit gemacht hat, wird leicht gefunden und kann sich umgekehrt auch leicht auf die Suche nach potenziellen Auftraggebern machen. Dieses Feature nutzen zahlreiche XING-Mitglieder auf beiden Seiten. Darüber hinaus werden bei XING Jobs natürlich auch interessante  Stellen ausgeschrieben. Außerdem empfehlenswert: Der Marktplatz für freie Journalisten sowie die Gruppen Journalismus und Autoren und Freie Journalisten. Die Gruppe Freiberufler – zu der natürlich nicht nur Journalisten zählen – mit ihren insgesamt fast 90.000 Teilnehmern ist eine der größten Gruppen in XING überhaupt.

Den Leser erreichen

Freie Mitarbeiter und Angestellte finden, Themen sondieren, an Events teilnehmen – schön und gut. Aber wie stehen die Netzwerke da, wenn es um die Ansprache ihrer Leser geht? Das Wirtschaftsmagazin Brand Eins zeigt, welches Potenzial dahinter steckt. Die XING-Community des Wirtschaftsmagazins zählt mehr als 40.000 Mitglieder (rein rechnerisch jeder zweite Leser!) und über 20.000 Artikel. Eine solche Community ermöglicht es, mit der Zielgruppe eng zu kommunizieren und sie dort abzuholen, wo sie sich ohnehin eng vernetzt (also bei XING). Einen ähnlichen Weg geht auch die Wirtschaftswoche mit Ihrem XING-Leserkreis, den zwei Mitarbeiter des Magazins moderieren. Und “Handelsblatt Perspektiven” berichtet wöchentlich aus der Gruppe Young Career – Berufseinsteiger.

Darüber hinaus sind, im Vokabulär des primären Wirtschaftssektors gesprochen, noch viele Felder unbestellt. Insofern trifft nur teilweise zu, was FAZ.net mit Bezug auf eine Umfrage des US-Marktforschungsunternehmens Gartner schreibt: „Zeitungsverleger vergeben die Möglichkeiten, die ihnen das Web 2.0 gibt.” Gute Ansätze sind jedenfalls da.


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jonas_cords on 06.04.2009 at 17:04h CET

Die Idee / der Usecase ist sicherlich gut ausgedacht – leider hat sich bei Xing in Sachen Workfllow seit Jahren nicht viel getan. Während ein großer Anteil an 1:1 Kommunikation aus klassischen Email-Anwendungen in die sozialen Plattformen gewandert ist (aktuelle web.de Studie zur Emailnutzung) ist das Mailen in Xing immer noch sehr dürftig ausgebaut.
Insofern gelingt zwar sicherlich das recruiting von Autoren & Inhalten -spätestens bei der Kommunikation muss man Xing aber wieder verlassen.
Insbesondere bzgl Monetarisierung wundert es mich, daß man noch keine Partnerschaft mit Google hat, mit einer Implementieriung von Google for Domains und zB “xinguser.com”, um auf diese Weise eine integrierte Messaging-Plattform bereitzustellen.

Beste Grüße aus KA
CJC

Christian Burtchen on 06.04.2009 at 17:35h CET

Hallo Jonas_Cords,

danke für den Kommentar / das Feedback. Könnten Sie das vielleicht noch etwas konkretisieren – was genau vermissen sie an der Mailfunktionalität von XING derzeit?

Beste Grüße,

Christian Burtchen.

Johannes F. Woll on 06.04.2009 at 19:07h CET

Ich vermisse den Hinweis auf die Gruppen Print & Publishing https://www.xing.com/net/printproduktion/ und Verlagswesen und Medien https://www.xing.com/net/verlagswesenundmedien/ mit jeweils über 10.000 Mitgliedern, die beide zu den ältesten (Frühjahr 2004) und engagiertesten Gruppen auf der Plattform gehören.
Nicht nur die Inhalte, sondern auch die Aufbereitung, technische Vervielfältigung und schließlich Distribution des Contents und der Botschaften ist inkrementeller Bestandteil des literarischen Lebens, der jorunalistischen Arbeit und des wertschöpfenden Medienproduktionsprozesses.
Social media udn social publishing sind zwei neue starke Trends, innerhalb derer ich auch auf das erste XING-Miki verweisen möchte http://xing-munich.my-miki.com/, das die Gruppe XING München unlängst launchte.

Christian Burtchen on 07.04.2009 at 09:36h CET

Hallo Johannes Woll,

danke für diese Anmerkungen – ich werde Ihre Hinweise noch entsprechend eintragen.

Beste Grüße,

Christian Burtchen.

Marc Eisinger on 08.04.2009 at 12:42h CET

ich vermisse in der e-Mail-Funktion so ziemlich alles, was die Archivierung nach eigenen Stichworten angeht. So kann ich zwar nach Personen filtern, allerdings leider eben nicht nach Stichworten: suche ich bspw. eine Nachricht zum Thema “XYZ”, die ich irgendwann mal an jemanden gesendet habe, dessen Name mir gerade entfallen ist, habe ich keine Chance, diesen anhand des Stichwortes heraus zu finden.

jonas_cords on 08.04.2009 at 18:03h CET

Konkretisierung meiner Ausführungen zu Email:
–Fehlt:
*Funktion, Attachments zu versenden
*Entwurf speichern
*Thread-Ansicht
*tagging
*Termin versenden (geht nur über “Event anlegen & Einladen”)
*keine Möglichkeit, alles immer an eine default-Adresse in CC: zu senden.
Das wars auf die Schnelle

Johannes Woll on 09.04.2009 at 23:21h CET

@Christian Burtchen:
Kleine Korrektur: Die Gruppe Print & Produktion wurde eben in die etwas zeitgemäßere Version Print & Publishing umbenannt, womit auch der Shortlink überarbeitet wurde. Jetzt ist sie ausschließlich unter https://www.xing.com/net/printandpublishing/ zu finden.

Christian Burtchen on 14.04.2009 at 09:12h CET

Danke, Johannes Woll, werde ich entsprechend ändern.

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